Deutschland geht es so gut wie noch nie

Deutschland geht es so gut wie noch nie

 

„Deutschland geht es so gut, wie noch nie“, sagte Bundekanzlerin Merkel vor kurzem. Die drei Fragen, die sich sofort aufdrängen,  sind: Wem genau geht es angeblich so gut, in was wird dies gemessen und auf wessen Kosten geht es ihnen so gut.  Die Länder in Südeuropa können kaum mehr ihre Sozialausgaben bedienen. In Afrika kollabieren wegen Billigprodukten aus Europa ganze Märkte. Das schafft Dividenden. Wer aber besitzt den erworbenen Reichtum in Deutschland? Dem untersten Drittel geht es sicherlich nicht besser als die letzten vierzig Jahre zuvor. Sie bewegen sich an der Armutsgrenze ohne Aussicht auf Besserung. Das mittlere Drittel kann seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten, doch wenige besitzen Immobilien oder Aktien. Bei der nächsten Wirtschaftskrise gehören sie zu den Verlieren, da sie ihre Kredite nicht mehr bezahlen können. Nur das obere Drittel verdient sehr gut.

Deutschland war immer ein Land mit starkem Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit. Erst sorgte die Kirche für Ausgleich, dann die vielen Fürstentümer und dann die Bismarck‘sche Sozialgesetzgebung. Diese funktioniert nicht mehr. Das Rentensystem ist so nicht mehr bezahlbar. Die Pflege ist in einem unwürdigen Zustand. Und die Krankenversorgung wird nach der nächsten Wirtschaftskrise auch nicht mehr für alle bezahlbar sein.  Also geht es Deutschland nicht so gut wie noch nie. Es steht vor einem der größten Probleme seiner Geschichte, da es keinerlei Hebel zu geben scheint, wieder soziale Gerechtigkeit herzustellen.

Natürlich muss Frau Merkel gute Stimmung für die Märkte und Anleger machen, damit sie in Deutschland investieren. Dies ist ihre Aufgabe. China und den USA sitzen deutschen Firmen im Nacken. Die deutsche Bank hat mit kriminellen Methoden viel Geld gemacht, VW mit Abgasfälschung und Bayer kauft den Konzern Monsanto, der die Bauern der dritten Welt versklavt. Nominell geht es uns deshalb so gut wie noch nie. Bzw. dem erwähnten Drittel. Bei VW werden jetzt 30.000 Menschen entassen. Sie würden im Jahr so viel kosten, wie die Manager an Boni erhalten. Dies ist der Preis der Globalisierung. Was fehlt ist die Perspektive. Die Vision, die man sich von Politiker wünscht.

Im Kleinen sind die Alternativen längst da. Man sorgt füreinander allerorten, in veganen Kreisen, beim bedingungslosen Grundeinkommen, bei den Commons, bei der Solidarischen Landwirtschaft, an freien Schulen und bei alternativen Gesundheitskassen. Und bei vielen, vielen weiteren Gruppierungen, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie werden nicht als systemrelevant angesehen. Obwohl sie die Lösung des Problems in sich enthalten. Die gemeinsame Fürsorge und die Wiederherstellung der Solidarität.

Flüchtlinge sind die größten Opfer des Kapitalismus. Sie haben ihre Heimat und ihren Besitz verloren. Sie leben als Staatenlosen in  rechtsfreien Gebieten. Doch weiter werden die ‚starken Söhne’ der verarmten Familien angelockt mit der Aussicht auf Verdient, sterben auf dem Mittelmeer und verlieren ihr Geld an Schlepper. Frauen, Kindern und Alten hingegen wird kaum Asyl gewährt. Richtig wäre, ganze Familien in den Ländern vor Ort anzusprechen und nach dem Modell von Kanada einzuladen, sich hier zu integrieren und einzubringen.

Deutschland kann dieses Problem nicht alleine lösen. Die Welt steckt in einer riesigen Krise. Es ist einfach nur merkwürdig,  mittendrin solche Sätze wie die von Frau Merkel zu hören. 2017 wird die Menschheit in ein neues Zeitalter treten. Der ‚Break Even‘ Point wird erreicht sein, wo regenerative Energien billiger als Öl und Kohle sein werden. Die exponentielle Kurve des Bevölkerungswachstums wird in ein lineares Wachstum übergehen und schließlich negativ werden. Kinder erhalten zu über 90% eine Bildung. So werden die Gründe für Kriege gestoppt. Doch gleichzeitig übernimmt der Computer die meisten unserer Arbeiten. Ein neuer Sinn des Lebens muss her, solange der Mensch noch nicht begriffen hat, dass es tatsächlich besser wird. Und dieser kann entstehen, wenn jedem Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgezahlt wird und es ein stabiles Geldsystem gibt, das nicht auf Schulden basiert und somit nicht zusammenbrechen kann.

Wenn der Mensch sicher ist, dass er seine regionale Welt dauerhaft und sicher gestalten kann, wird dieser Sinn entstehen. Dann wird es nicht mehr darum gehen, dass es Deutschland so gut wie noch nie geht, oder Norwegen oder Taiwan, sondern darum, dass es allen Menschen gut geht. Denn ein Mensch kann dauerhaft nicht glücklich sein, wenn er andere um sich herum leiden sieht. Er ist ein soziales Wesen, das für seinesgleichen da sein möchte. In intakten Umwelten und in Einklang mit der Schöpfung.

Der Weg dorthin ist das Erreichen der kritischen Masse von Menschen, die ein neues Wirtschaftssystem ohne Ausbeutung denken können. Abseits von sozialistischen oder neoliberalen Ideologien, die zur Zeit so heftig aufeinanderstoßen. Menschen, die bereit sind, gemeinsam politische Änderungen friedlich herbeizuführen. Occupy, Attac und das Weltsozialforum waren schon solche Bewegungen. Doch es fehlt das gemeinsame spirituelle Element, das jedes Wesen außerhalb religiöser und ideologischer Weltanschauungen als einzigartig begreift und würdigt. Ray Kurzweil postulierte 1998, dass das Moor‘sche Gesetz, nachdem Computer ihre Rechenkraft in immer kürzeren Abständen verdoppeln um das Jahr 2020 nicht mehr gelten würde und eine neue Form der Intelligenz entstehen würde.

Dies scheint heute wahrscheinlich. Ab diesem Zeitpunkt ist Entschleunigung möglich, da sich spontan neue Ordnungen entwickeln, die selbstorganisiert funktionieren. Es sind nicht nur die Maschinen, die diese Intelligenz entwickeln, sondern mit ihnen die Menschen mit. Es sind in wenigen Jahren vollkommen andere Dinge denkbar, als wir uns jetzt vorstellen können. Dazu braucht es aber solidarischen Zusammenhalt. Er ist die Grundvoraussetzung, das etwas Dauerhaftes entstehen kann. Bis auf kleine Eliten, die durch die Welt jetten, werden die Menschen weiterhin in Regionen zusammenleben und arm und reich werden einen Weg finden müssen, miteinander friedlich auszukommen. Dies geht am besten durch offene Begegnung, Aussprache und Mitwirkung junger Menschen.

 

Andreas Bleeck

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