Fair Finance Week Frankfurt

katja

Bericht über die Veranstaltung im Rahmen der Fair Finance Week

in Frankfurt a.M.

 

Am 19.11.2015 waren wir 3 Violetten aus Hessen bei einer empfehlenswerten Bildungsveranstaltung in den Räumen ‚unserer‘ GLS-Bank. Zusammen mit 3 anderen Banken möchte „die erste sozial-ökologische Universalbank der Welt“ GLS Gemeinschaftsbank eG mit der Fair Finance Week als Ergänzungsveranstaltung für Bürger zum traditionellen Branchentreffen Euro Finance Week „Zeichen für nachhaltiges Finanzwesen am Standort Frankfurt setzen“. Der Abend war gut besucht, und der rege Austausch inspirierend.

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Als Erste stellten Frau Imke Eichelberg und Herr Matthias Emde von „Transition Town Frankfurt“ das Konzept und die Aktivitäten der Initiative im Rahmen der u. a. von dem irischen Permakulturalisten Rob Hopkins initiierten Transition-Bewegung vor. Herr Emde hat Transition als Wandel, verbunden mit schrittweise Verinnerlichung etc., erläutert, – ansonsten müsste es „Switch Town“ o.ä. heißen.

Der Schwerpunkt liegt statt nur Definition der von Menschen verursachten Umweltprobleme auf praktischen Lösungen und deren Umsetzung. Einer der von Frau Eichelberg angeführten Beweggründe zur Mitwirkung ist die positive Einstellung (anstatt ewig erhobenem Zeigefinger) und Spaß bei gemeinsamen Vorhaben, im Gegenteil zu vielen sich hauptsächlich auf (zwar auch notwendige) Protestaktionen/Petitionen großen Umweltorganisationen.

Als für Frankfurt spezifischen Aufgaben der inzwischen als Verein organisierten Initiative wurden von Matthias Emde genannt

  • Vernetzung mit den vielen existierenden aber häufig nicht wahrgenommenen Projekten (anstatt eine eigene Arbeitsgruppe zum gleichen Thema zu gründen)
  • Bekanntmachung der Transition-Initiative, die nicht unbedingt in einer Finanzmetropole vermutet wird

Der ca. 20-köpfige aktive Kern koordiniert z.Zt. Projekte wie

  • „Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi)“ z.Zt. mit Birkenhof in Egelsbach
  • „Stadtwandeln“ – Stadtrundgänge schon im 3. Jahr zu den Orten mit „gelebter Nachhaltigkeit“ in Frankfurt
  • „Wandeltag“ (Aktionstag), wo verschiedene Projekte in einem Fest mit Theater- u.a. Aktionen zusammengebracht werden
  • „Urban Gardening“ – ökologisches Stadtgärtnern inkl. Anbringen von Bienenkörben, u.a. in Kooperation mit „Frankfurter Garten“-Initiative
  • „Innerer Wandel“a. mit gemeinsamer Suche der Alternativen zur allgegenwärtigen Beschleunigung, aber auch neuen Lernmodellen, Konfliktmanagement, Kunst & Therapie etc.

Vernetzt ist „Transition Town Frankfurt“ mit Repair Cafes, ‚Energie und Mobilität‘-Gruppe, dem Bildungs-und Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung „Lust auf besser Leben“ uvm.

 

In anschließender Diskussionsrunde haben sich folgende Aspekte der Initiative herauskristallisiert:

  • positive Einstellung
  • Dezentralisierung
  • Hinterfragen der Verhaltensmuster etc., andere Blickwinkel, Umdenken
  • Herausforderung zu experimentieren, z.B. mit reichlichem Gemüse einer Sorte zur Erntezeit
  • soziale Vernetzung
  • andere Wertschätzung der Ressourcen
  • Motivation nach reellem Erfolg

 

Mit Matthias Emde aus Frankfurt und einer Transition Town-Vertreterin aus Darmstadt gelang mir noch ein kurzer Austausch zum Abschluss, wobei die Möglichkeit der Zusammenarbeit beidseitig begrüßt wurde. Wir bleiben im Kontakt!

 

  1. Referent Norbert Rost, Wirtschaftsinformatiker mit einem eigenem „Büro für postfossile Regionalentwicklung“ in Dresden hat einen Vortrag zum Thema “Wie wirkt Regionalgeldund welchen Beitrag leistet es zum gesellschaftlichen Wandel?“ gehalten.

Aus der bekannten Ausgangslage heraus, daß das gegenwärtige Geldsystem eigentlich nicht funktioniert, wurden Lösungen gesucht. So ist aus Geldsystem-Kritik und der o.g. Transition-Bewegung heraus regionales/lokales Geld hervorgegangen.

Zudem ist es klar, daß z.B. eine Stadt wie Dresden allein nicht lebensfähig ist, sondern muss ihr Umland mit einbeziehen. Der Vortragende hat selbst die Regionalwährung Elbtaler http://www.elbtaler.net/banking/information mitentwickelt, ansonsten existierten einmal zur gleichen Zeit 28 aktive Regionalwährungen in Deutschland.

Die 3 Grundziele hat er wie folgt formuliert:

  • Region- und Wirtschaftsförderung
  • Unternehmensförderung
  • Forschung & Bildung

Die Grundidee von Regionalgeld ist: Einfluss auf die Kaufkraftströme nehmen bzw. Kaufkraftabfluss bremsen, und zwar bei Haushalten und Unternehmen. Bereits 1993 hat z.B. Stefanie Böge die verschlungenen Transportbeziehungen eines Erdbeerjoghurts in ihrer Veröffentlichung Wuppertal Institut VE-102 / 93 sehr anschaulich aufgezeigt http://www.stefanie-boege.de/texte/joghurt.pdf

Der Fokus sollte hingegen aufs Lokale gerichtet werden. So wird die regionale Grundversorgung und regionale Selbstversorgung von der Regionalwirtschaft gesichert (war in der gegenwärtigen angespannten Weltsituation mit den u.a. wegen Ölkrisen anfälligen Wegen immer wichtiger wird), und nur die Spezialgüter können bei Bedarf weltweit bezogen bzw. gehandelt werden.

 

Dazu plädiert Norbert Rost für Etablierung paralleler Währungsstrukturen, d.h. außer der Nationalwährung 2 weitere Geldschichten: weltweite „Terra“ und Regionalgeld.

 

Zusammengefasst ist die Wirkung des Regionalgeldes wie folgt:

  • Kaufkraft an die Region binden
  • zusätzliche Liquidität schaffen
  • lokale Auftragsvergabe stimulieren
  • neue Netzwerke knüpfen
  • Identität stiften
  • Diskussionen über die Zukunft anstoßen

 

In der anschließenden Fragerunde hat Herr Rost erläutert, daß solange kein unmittelbarer Tausch von Elbtalern in Euro stattfindet, verstoßen diese formal gesehen „Wertgutscheine“ gegen kein Gesetz. Die Rechnungen von den teilnehmenden Unternehmen werden in EUR ausgestellt, können jedoch zu 50% auf Elbtaler-Konto gezahlt werden; die Steuern werden wiederum in EUR an das Finanzamt abgeführt. Bisher funktioniert diese Regionalwährung am besten für die Unternehmen

 

Für die Region Frankfurt hat der Experte für postfossile Regionalentwicklung empfohlen, schon mal Unternehmenscluster zu schaffen und kurze (Transport)wege zu ermöglichen.

 

Durch den Beitrag einer Transition Town-Mitwirkenden aus Darmstadt erfuhren die Zuhörer, dass es dort bereits REGIOs http://www.der-regio.de/cms/website.php?id=2/index.html im Umlauf sind, die ursprünglich aus Oberbayern kommen.

 

Es gab viel Interesse aus dem Publikum in Bezug auf Regionalwährung für Frankfurt, auch wenn die Entwicklung z.B. der Online-Banking- Software Einiges an Kenntnissen und Zeitinvestition voraussetzt. Wir Violette als Mitverfasser der „Charta für Europa der Regionen“ würden das Regionalgeld natürlich begrüßen.
Aus den anschließenden Gesprächsrunden wurden folgende Ergebnisse vorgetragen:

 

..zunächst von Kai Kotzian, Initiator des Repair Cafes Offenbach und Mitwirkende des Transition Town Frankfurt, zum Thema Repair Cafes, wo einem Besucher geholfen wird, seine Haushalts- u.a. Geräte selbstständig zu reparieren.

Außer dem offensichtlichen Vorteil für die Umwelt wurden zudem folgende genannt:

  • Würdigung der Lebens-/Arbeitszeit, die für die Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport etc. aufgewendet wurde
  • Reduzierung der Angst vor Reparatur (z.B. Elektrogeräte aufzuschrauben, wobei der Fehler manchmal nur an innerer Verschmutzung/Verstopfung liegen kann) und Entwicklung entsprechender Fähigkeiten
  • Erhalt des entsprechenden Wissens, z.B. der Leute mit entsprechender Ausbildung, und Freude, sein Wissen weiter geben zu können.

 

Wir haben vor, demnächst ein Repair Cafe insbesondere im FfM-Gallusviertel zu besuchen und laden selbstverständlich Interessierte dazu ein.

 

..danach von der noch kleinen Gruppe „Energie & Mobilität“, ebenfalls bei Transition Town vertreten, die sich u.a. für dezentrale (Solar-, Wind- etc.) Energie einsetzt.

Positiv wurde der bereits erarbeitete Masterplan 100% Klimaschutz http://www.masterplan100.de/home/ „Fahrplan für eine zu 100 Prozent regenerative Energieversorgung“ bis 2050 erwähnt. Dabei wurde erfreulicherweise nach Angabe des Fraunhofer Instituts für Bauphysik (IBP): „in Frankfurt eine Strategie erarbeitet, die der Stadt eine 50-prozentige Reduzierung des Endenergiebedarfs erlaubt“. Dazu möchte die Gruppe auch ihre Ideen einbringen.

Als konkrete Anwendung der umweltschonenden Maßnahmen nannte der Vortragende z.B. Einsatz der Lastenfahrräder statt Lastwagen und generelle Verringerung der Kraftwagen-Anzahl in der Stadt (mehr Fußgängerzonen etc.)

 

Auch wir Violetten arbeiten an diesen Themen der nachhaltigen Lebensweise und sind für die Zusammenarbeit insbesondere mit lokalen Initiativen offen.

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